Hexenschuss (Lumbalgie) – Was ist das und was kann ich dagegen tun? (Dr. Ralf Hempelmann)

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Dr. Ralf Hempelmann:

Was genau kann schon keiner genau beantworten. Die Frage ist leider etwas falsch gestellt. Ein Hexenschuss ist ein unkomplizierter, akuter Schmerz im Kreuz. Es ist üblicherweise etwas Gutartiges. Viele kennen diesen Schmerz, der z.B. in der Nacht kommt oder bei bestimmten Bückbewegungen, Schuhe zubinden, Duschen oder in die Hose einsteigen. Plötzlich hat man diesen extremen Schmerz im Kreuz und ist kaum noch beweglich. Die Ursache ist häufig schwer zu ermitteln, was sich auch schwer erklären lässt. Ich hatte die verschiedenen Strukturen der WIrbelsäule genannt, die wehtun können. Wenn wir mal nicht von einem Bandscheibenvorfall als Ursache ausgehen, diesem aus dem Bein austrahlenden Schmerz, sondern nur über akute schlimme Rückenschmerzen ausgehen. In diesem Fall können es die Wirbelgelenke sein, deren Gelenkkapsel mit zunehmenden Alter etwas schlaffer werden und wenn die sich beim nach vorne Bücken in das Gelenk einklemmt und beim Zurückkommen eingeklemmt bleibt , kann das durchaus zu einem sehr intensiven Schmerz führen. Das könnte eine mögliche Ursache sein. Als Reaktion darauf kommt es zu einer massiven Muskelverspannung und diese Schmerzen können dann noch Tage anhalten.
Ein unkomplizierter akuter Kreuzschmerz, der anfangs mit körperlicher Ruhe behandelt wird, aber recht schnell sollte man dann wieder in die Bewegung kommen und beginnen Spazieren zu gehen und nach Massagen oder passiver Therapie recht schnell mit der Bewegungstherapie/Physiotherapie beginnen.
Es ist üblicherweise nichts, wo man sich Sorgen machen muss. So ein akuter Kreuzschmerz muss auch nicht gleich mit MRT in die weitere Diagnostik kommen, sondern wenn er nach einigen Tagen wieder weggeht muss man keine weitere Diagnostik machen. Behandeln muss man dann rein konservativ.
Zur akuten Behandlung des akuten Kreuzschmerzes gehört natürlich auch die medikamentöse Behandlung. Anfangs kann man aufgrund der Schmerzen noch keine große aktive Krankengymnastik machen, daher müssen Analgetiker/ Schmerzmedikamente , wie z.B. Metamizol oder Paracetamol verabreicht werden und oder zusätzlich Antiphlogistika, abschwellende Medikamente und auch Schmerzmedikamente, wie Ibuprofen und Diclofenac verabreicht werden.
Nach der körperlichen Ruhe muss man jedoch schnell wieder mit der aktiven therapierenden Bewegung beginnen.

Hals-,oder Lendenwirbelentfernung – Was erwartet mich ? (Dr. Ralf Hempelmann)

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Dr. Ralf Hempelmann:

Ich zeige es an der Halswirbelsäule, denn da ist so eine Wirbelkörperentfernung noch etwas häufiger als bei der Lendenwirbelsäule, zumindest bei uns im Haus.
Es ist alles kein wirkliches Mysterium, es muss nur entsprechend vorsichtig gemacht werden. Man geht also vorne ran, ich gehe über die rechte Seite und mache einen kleinen Schnitt im Verlauf der Hautfalte und schiebe den Gefäßstrang mit der Schlagader und der Vene nach außen und die Speiseröhre, Luftröhre, Stimmbandnerven nach hinten.
Über Komplikationsmöglichkeiten dieser Organe muss man aufklären, es ist aber sehr selten, dass da etwas Schlimmes passiert. Dann ist man recht schnell an der Halswirbelsäule. Dann blicken wir also von vorne auf die Halswirbelsäule, wenn wir nur die Bandscheibe entfernen kann man dies mit scharfen Löffeln fassen und die Bandscheibe mit sogenannten Diamantfräsen entfernen. Es handelt es sich um eine ähnliche Fräse wie beim Zahnarzt, sie ist nur etwas größer. Dann kommt man an die Rückenmarkhaut und da muss man dann aufhören. Das muss man natürlich mikroskopisch und vorsichtig machen. Man kommt dann hinten auch nach außen hin zu den abgehenden Nervenwurzeln, die wir dann von einem Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule freimachen können oder eben von der Wirbelkanaleinengung, wenn sie von vorne an der Bandscheibe an den angrenzenden Wirbelkörpern kommt.
Wenn zwei verschiedene Bandscheiben betroffen sind, kann man das auch in zwei oder drei Höhlen machen, das kommt gar nicht so selten vor. Und wenn die Wirbelkörper so stark verdickt sind, dass auch von den Wirbelkörpern, was eher selten ist, eine Raumförderung gegen das Rückenmark ausgeht, kann man den Wirbelkörper, nicht den ganzen Wirbel, mit entfernen. Auch den kann man mit einer Fräse mehr und mehr nach hinten hin verkleinern bis man an dem hinteren Band, wenn man das entfernt dann an der Rückenmarkhaut, der sogenannten Dura Marta ist.
Also in kleinen Schritten wird man den mit einer Fräse mehr und mehr entfernen.
Die äußeren Anteile des Wirbels sind noch da, es wird nur der Wirbelkörper entfernt. Wenn dann eine Bandscheibe oder mehrere Bandscheiben von vorne entfernt sind oder sogar ein ganzer Wirbelkörper entfernt ist, dann muss das auch ersetzt werden. DIe Bandscheiben werden wiederum mit Cages ersetzt, auch ein ganzer Wirbelkörper kann durch einen Cage ersetzt werden und dann wird typischerweise auch eine Titanplatte von
angrenzenden Wirbelkörper zu angrenzenden Wirbelkörper gelegt und dann mit entsprechenden Schrauben in den Wirbelkörper fixiert.
Zu den Schmerzen nach solch einer Operation, der Lenden.-/Halswirbelsäule.
Die Patienten kommen natürlich erst mal in den Aufwachraum und bekommen eine ordentliche Schmerzmedikamentation. Eine solche Operation kann nicht ohne eine gute Schmerzmedikation danach, durchgeführt werden.
Auch die Schmerzmedikation sollte über eine gewisse Zeit nach Entlassung für einige Wochen weiter geführt werden.
Ich halte es für verkehrt, wenn es Patienten gut geht und das habe ich auch schon erlebt, dass sie dann einfach zu Hause ihre Schmerzmedikamente absetzen und dann wieder kommen, weil die Schmerzen wieder beginnen.
Die ganze Knochen-,und Wundheilung braucht ihre Zeit und ohne Schmerzmedikamente geht das nicht.
Wenn das so läuft und gute Schmerzmittel gegeben werden, Patienten sie auch einnehmen, dann kann man nach einer solchen Halswirbeloperation, selbst nach einer Wirbelkörperentfernung die Patienten in den meisten Fällen schon nach einigen Tagen entlassen. Nach meiner Erfahrung treten selten Komplikationen auf.
Nach einer Halsbandscheibenoperation oder Halswirbelentfernung können Patienten nach 4-6 Tagen manchmal sogar früher, wobei ich das zu früh finde, wieder entlassen werden. Es gibt keine feste Regel zum Absetzen der Schmerzmittel. Ich schlage vor, dass Sie sie nicht prompt absetzen, sondern über 1-2 Wochen immer etwas weniger nehmen und das natürlich dann, wenn Sie über eine gewisse Zeit in einer Schmerzarmut gelebt haben. Das mag 3-4 Wochen nach der Operation so sein. Wenn Sie merken ich habe 1 Woche mit den Medikamenten ein sehr gutes Gefühl, dann kann man die Medikamente über einen Zeitraum von 1-2 Wochen langsam abzusetzen. Man sollte es nicht zu schnell machen.

Sind ein Großteil der OP´s am Rücken wirklich unnötig? (Dr. Ralf Hempelmann)

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Dr. Ralf Hempelmann:

Zunächst einmal vielen Dank für die Frage. Erst mal eines, es steht uns nicht zu dieses hier klar zu beantworten, geschweige denn im Namen anderer Kollegen zu beantworten. Wir werden das auch in kurzer Zeit nicht lösen können. Denn es gibt wie überall immer so ne und solche Ärzte und es mag durchaus sein, dass Wirbelsäulenoperationen durchgeführt worden sind, die nicht hätten durchgeführt werden müssen. Jeder von uns erlebt solche Patienten, die so etwas hinter sich haben. Im Augenblick geht das vielleicht nicht ganz aber bei einigen Patienten ins andere Extrem. Ich lerne immer wieder Patienten kennen, bei denen ich mich wundere, warum die nicht schon seit einem Jahr operiert worden sind. Sie leiden an großen Bandscheibenvorfällen, von denen sie sich einfach nicht erholen, weil die groß sind und gegen die Nervenwurzel drücken oder sogar schlimmer, bei einer zervikalen Myelopathie über eine Rückenmarkkompression der Halswirbelsäule, durch Wirbelkanaleinengung bleiben Patienten unbehandelt, weil sie Angst bekommen haben und sich von einem Arzt beraten zu lassen. Sie suchen keine Zweitmeinung auf und auch keine 5., 6. , 7.-Meinung auf.
Das ist jetzt die andere Sorge, die ich habe. Die Diskussion ist nicht wirklich sachlich geführt worden. Darunter leiden wir mit unseren Patienten mit, wir Neurochirurgen, Orthopäden, die Wirbelsäulenchirurgien durchführen. Das momentan viele Patienten Angst bekommen haben, weil sie keinem Arzt mehr trauen. Trauen sollte man Ärzten, es ist eine Gefühlssache, man bekommt recht schnell mit, ob ein Arzt einen gründlich untersucht und ob man ihm trauen kann oder nicht.
Das ist das eine, was meine Sorge ist und das andere, sind die sogenannten Stigmatisierungen von Patienten. Patienten haben wegen Rückenschmerzen irgendwann ihr MRT-Bild und kommen mit diesen Bildern zum Arzt und es ist alles mögliche auf den Bildern beschrieben worden. Bei einem 70 jährigen Mann, der deutliche degenerative, also Verschleißveränderungen der Wirbelsäule hat und Angst über seine Wirbelsäule bekommen hat, weil dieser den Text selber liest, da steht alles mögliche schlimme drin oder weil sogar irgendjemand ihm gesagt hat, wenn ich das alles lese, deine Wirbelsäule sieht ja furchtbar aus.
Wenn ich diese Patienten dann frage, was ihr Problem ist, dann möchte ich gerne wissen, wo schmerzt es und als Antwort bekomme ich dann:“ Ja, meine Wirbelsäule ist ein einziges Frack!“ Solche Worte bekomme ich wirklich häufiger zu hören. Und dann muss man die Patienten erst mal beruhigen und sie erst mal beruhigen. Sie sind ja auch 70, wenn ich mir ihr Gesicht angucke, kann ich auch alles mögliche beschreiben. Jede Falte, jeden Altersfleck kann ich beschreiben und wenn ich das dann am Ende lese kann ich einen riesen Schreck über das, was da alles in meinem Gesicht ist, bekommen aber in Wirklichkeit ist es nur ein schönes 70 jähriges, faltiges Gesicht.
Und so ist es mit der Wirbelsäule auch. Der Vergleich hinkt etwas jedoch glaube ich, dass dieser ganz gut ist. Meine Patienten verstehen diesen jedoch sehr gut. Letztlich muss man jetzt herausfinden, was denn nun wirklich weh tut und muss man diese Wirbelsäule nun wirklich operieren. Und in ganz vielen Fällen kann man Patienten beruhigen und sagen, dass ihre Wirbelsäule eine ganz normale 70jährige Wirbelsäule ist und wenn sie eine gute Krankengymnastik pflegen und in Bewegung bleiben und Sport, wie das Nordic Walking machen oder regelmäßig Spazieren gehen, dann wird es ihnen gut gehen.
Dann sind Patienten häufig glücklich und gehen auch so nach Hause und ich sehe sie dann auch nicht mehr wieder und hoffe nicht, dass sie sich noch eine 8. Meinung eingezogen haben.
Zu einem guten Arzt, und dazu gehören die meisten in Deutschland und da muss man sich nicht unnötig ängstigen, gehört einerseits die Schmerzen nehmen und andererseits die Angst nehmen. Und wenn ich die Angst genommen habe, habe ich schon 50% der Schmerzen genommen.
Da kommt dann wieder die Seele ins Spiel, das Stigmatisieren, die Depressionen, das Katastrophisieren, das kommt häufig nicht nur von Patienten, da können auch Ärzte ordentlich ihren Teil beitragen und da haben wir entgegen zu wirken.
Und dann haben die Patienten häufig eine sehr gute Chance wieder glücklich zu werden. Eine Operation muss man dann machen, wenn man operieren kann und nichts anderes mehr geht. Ich habe Beispiele erwähnt, der Bandscheibenfall, der zu Lähmungen führt und sogar zum Stören beim Wasserlassen und Stuhlgang führt, der Schmerzen klar erklärt und der konservativ einfach nicht geheilt werden kann; die Wirbelkanalstenose, die durch konservative Therapie nicht geheilt werden kann, nicht zu lange warten, eine Operation wirkt besser als eine konservative Therapie.

Rückenschmerzen im unteren Rücken, was kann das sein? (Dr. Ralf Hempelmann)

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Dr. Ralf Hempelmann:

Die Antwort ist nicht kurz. Wir reden im wesentlichem über verschleißbedingte, sogenannte degenerative Wirbelsäulenerkrankungen , aber grundsätzlich kann es alles mögliche sein.
Schließen wir mal die schlimmen Dinge, die ich jetzt nenne, für das weitere Gespräch aus. Rückenschmerzen können tumorenbedingt sein, d.h. durch Krebsmetastasen. Sie können durch Entzündungen, die nicht selten vorkommen, ausgelöst sein oder auch durch Osteoporose. Auch Erkrankungen aus dem rheutmatischen Formenkreis können Rückenschmerzen verursachen und das muss natürlich im Vorfeld herausgefunden werden, weil es sich um gefährliche Erkrankungen handelt, die dementsprechend behandelt werden müssen.
Bei den normalen Rückenschmerzen muss man nicht immer gleich eine MRT machen, denn die degenerativen Erkrankungen sind bedingt durch alle möglichen Strukturen an der Wirbelsäule, wie am Modell zu erkennen ist.
Die Wirbelkörper sind vorne über die Bandscheiben miteinander verbunden und hinten über die Wirbelgelenke. Schon diese Strukturen können wehtun. Diese verändern sich schon ab dem 15. Lebensjahr degenerativ, d.h. verschleißbedingt. Es gibt auch Jugendliche mit Bandscheibenvorfällen, was nicht beängstigen soll.
Die Bandscheiben sind mit sensiblen Nervenfasern versorgt und können bandscheibenbedingte Schmerzen verursachen. Wir reden in diesem Fall von diskogenen Schmerzen.
Die Wirbelgelenke, wie viele andere Gelenke auch, sind nervenfasernversorgt und können weh tun und unterliegen im Alter zunehmendem Verschleiß.
Aber auch die Rückenmarkhaut, wobei wir in der unteren Lendenwirbelsäule kein Rückenmark mehr haben, sondern die Nerven die Verlängerung des Rückenmarks weiter nach unten ziehen, aber von der Rückenmarkhaut „ Dura Marta“ umgeben sind, kann bei Kompression ebenfalls sehr wehtun. Die Nervenwurzeln, die sich außerhalb der Wirbelsäule zu den großen Nerven, wie dem Ischiasnerv verbinden, können natürlich fortleitende oder ausstrahlende Schmerzen verursachen. Und die Bandapparate, die alles verbinden, wie auch der Knochen selbst, können ebenfalls wehtun.
Wenn das Schmerzen verursacht dann verspannt sich üblicherweise die große starke Rückenmuskulatur, die dann von sich aus wieder ein eigener Schmerzmotor ist und dann auch entsprechend in vielen Fällen konservativ physiotherapeutisch behandelt werden kann.

Gibt es bestimmte Risikofaktoren, die Rückenschmerzen auslösen und fördern können?

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Dr. Ralf Hempelmann:

Wir reden von dem chronischen Rückenschmerz, der nicht tumor-, entzündungs,- oder osteoporosebedingt ist, da gibt es über die letzten Jahrzehnte sehr viel Studien drüber, schlechtere und auch bessere. Viele habe ich gelesen und letzten Endes muss man sagen, dass die Ergebnisse enttäuschend sind oder eben auch nicht, je nach dem von welchem Standpunkt man dies betrachtet.
Das woran man so denkt, dass Übergewicht, die zu vielen Pfunde, die man mit sich rumträgt, Rückenschmerzen auslösen, macht eigentlich relativ wenig aus. Sehr viele Studien zeigen da keine positiven Ergebnisse und das Übergewicht wird sicherlich überbewertet. Wenn es überhaupt zu bewerten ist. Andere Dinge genauso, ob ich zu viel oder zu wenig Sport treibe, ob ich bei der Arbeit viel gehe, sitze oder stehe, das alles hat untergeordnete Bedeutung, wenn überhaupt. Es gibt darüber wenig positive Ergebnisse. Ich denke das kann man beiseite legen. Auch harte oder weiche Matratzen, welches Auto ich fahre, ob ich Stöckelschuhe trage oder nicht, ist alles untersucht worden und zeigt keine besonderen, signifikanten Ergebnisse.
Bei den Bandscheibenvorfällen spielt auch immer die Genetik eine Rolle, aber diese kann man gar nicht verändern und spielt daher therapeutisch keine große Rolle.
Man kann etwas Gutes für sich tun. Viele Studien bestätigen, dass Rauchen ein Risikofaktor ist. Man kann also das Rauchen vermindern oder aufhören.
Eine wichtige Rolle spielt auf jeden Fall die Seele. Gerade bei chronischen Rückenschmerzen. Depressive Patienten neigen mehr zu Rückenschmerzen. Interessanterweise zeigen auch einige Studien Patienten, die schon früh im Leben immer wieder Rückenschmerzen hatten, dies auch ein gewisser Risikofaktor für spätere chronische Rückenschmerzen ist. Hinzu kommt die Art und Weise, wie ich mit Schmerzen umgehe, ob ich z.B. Katastrophisiere, ich habe Rückenschmerzen, dann geht die ganze Welt unter. Bei einem richtig akutem Hexenschuss kann man das auch so empfinden, jedoch wenn ich das immer wieder Katastrophisiere, dann neige ich auch mehr zu Rückenschmerzen.
Oder ob ich wenig Selbstbewusstsein habe und denke, das passiert ja auch immer mir, ich kann das alles nicht und dann auch noch mein Rücken. Schuldzuweisungen wie z.B. bei dem Krankengymnasten musste ich die Brücke machen und seitdem sind die Rückenschmerzen nicht mehr weggegangen. Das sind gewisse Faktoren, die Rückenschmerzen mit chronifizieren können. Probleme am Arbeitsplatz, mehr psychischer als physischer Natur, also eher seelische als körperliche Probleme.
Letzten Endes nicht zu vergessen, was viele Menschen auch nicht wollen und auch nicht merken und auch nichts dafür können, ist der sekundäre Krankheitsgewinn, den es auch mal gibt. Sei es der Arbeitsplatz, Rentengesuch, schwierige familiäre Verhältnisse und es geht einem besser, wenn man Rückenschmerzen hat. Das mag keine Absicht sein, ist jedoch auch ein Risikofaktor.
Der wesentlichste Risikofaktor für Rückenschmerzen ist die Seele und insofern auch mit zu behandeln bei chronischen Schmerzen.

Bandscheibenvorfall: Welche Therapiemöglichkeiten gibt es? (Dr. Ralf Hempelmann)

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Dr. Ralf Hempelmann:

Das hängt zunächst mal von der Art des Bandscheibenvorfalls ab.
Wir reden von der Lendenwirbelsäule. Wenn es ein sehr großer Bandscheibenvorfall ist, der zu einer deutlichen Nervenwurzelbedrängung führt, was sogar zu sogenannten Defiziten/ Störungen, wie Lähmungen oder sehr starken Taubheitsgefühlen führt, dann würde man operieren. Aber das ist der letzte Punkt. Wir reden über Bandscheibevorfälle und die aller meisten muss man nicht zwingend operieren. Wenn man nicht operieren muss, sprich bei Bandscheibenvorfällen, deren Schmerzen noch nicht über Monaten andauern und über bei Bandscheibenvorfällen, die zu keinen sogenannten Defiziten führen, also keine Lähmungen, keine schweren Taubheitsgefühle hervorrufen, würde man konservativ therapieren.
Dazu gehört natürlich erstmal im Anfangsstadium die Schmerzmedikationen, also sogenannte „Analgetika“, Schmerzmedikamente und „ Antiphlogistika“, entzündungshemmende Medikamente, dazu gehört das Diklofenak oder Ibuprofen, bei Schmerzmedikamenten das Metamizol oder Paracetamol, ganz herkömmliche seit Jahrzehnten bekannte Medikamente.
Dazu gehört dann die entsprechende Physiotherapie, wobei man dann schon recht auch früh mit aktiven Bewegungen anfangen sollte. Bewegungsübungen, rumpfmuskulaturaufbauende Übungen dazu noch physikalische Maßnahmen, wie Wärmetherapie oder bestimmten Fällen auch Reizstromtherapie. Es gibt über 50 verschiedene krankengymnastische Möglichkeiten. Wichtig ist, dass man das individuell, für jeden einzelnen Patient/IN machen muss, denn es gibt Übungen, die tun dem einen gut und dem anderen nicht. Das muss ein guter Physiontherapeut rausbekommen.
Der nächste Schritt wäre dann eine medizinische Trainingstherapie, wobei man die aber auch erlernen muss. Das wäre die rein konservative Therapie, die in den meisten Fällen zu einem Erfolg und auch zu einem dauerhaften Erfolg führen.
Ein nächster Schritt wäre dann schon die inversive Therapie, bestimmte lokale Infiltrationen, d.h. Spritzen, wobei es gerade bei einer Nervenwurzelbedrängung an der Wirbelsäule sinnvoll ist über eine gewisse Zeit CT-gestützt zu spritzen, d.h. mit Hilfe eines Computertomografen an die Nervenwurzel gesetzt und dadurch zu einer guten Schmerzlinderung führen kann. In bestimmten Fällen kann man das machen und damit den sehr starken Schmerz überbrücken, aber all das sollte nie gemacht werden ohne die entsprechende begleitende und weiterführende Krankengymnastik.
Nicht zu vergessen bei all dem, wenn es schon etwas chronische Schmerzen sind, ist die Verhaltenstherapie, Rückenschule und dann letzten Endes auch eine psychologische Therapie. Denn sehr viele Rückenschmerzen, Bandscheibenschmerzen sind natürlich auch immer seelisch mit beeinflusst. Depressive Charaktere empfinden den Schmerz z.B. ganz anders als andere Charaktere. Das sind auch Faktoren, die solche Schmerzen verstärken können und auch mit behandelt werden sollten.
Und eben der letzte Schritt wäre dann die operative Therapie, wobei es dann im wesentlichen darum geht, bei klaren Bandscheibenvorfällen, die zu einer Nervenwurzelbedrängung führen, wir reden von Nervenwurzelkompression, dass man dann eben die Nerven an der Wirbelsäule wiederum befreit. Der Goldstandard dieser Operation ist nach wie vor die mikrochirurgische, also mit dem Operationsmikroskop gestützte Operation. Sie sehen hier die Dornenfortsätze. Wir blicken von hinten auf die Wirbelsäule drauf, der Patient liegt. In dem Fall wird ein Schnitt so etwa drei Zentimeter lang in der Mittellinie oder etwas neben der MIttellinie gemacht. Man schiebt die Muskulatur von den Dornenfortsätzen beiseite, setzt dann so einen kleinen Sperrer ein, damit die Muskulatur beiseite gehalten wird und kommt dann zwischen den Wirbelbögen,
wo man so einen Bandapparat entfernt, Richtung Wirbelkanal, muss dann die Nervenwurzel darstellen und die Rückenmarkhaut ( Dura Marter ) schiebt man so zwischen die Mitte und kommt dann zum Bandscheibenvorfall. Wenn der von der Bandscheibe gut gelöst ist, dann kann man den mobilisieren/ freimachen und herausziehen und dadurch die Nerven befreien.
Das wäre die übliche mikrochirurgische Bandscheibenoperation über einen kleinen Sperrer.
Das Gleiche kann man auch über eine noch kleinere Methode machen. Da redet man dann von der sogenannten minimalinversiven Operationtechnik, da ist der Schnitt ein bisschen kürzer, so ein guter Zentimeter lang. Man arbeitet über ein kleines Röhrchen, das ist so Fingerdick und man kommt über das Röhrchen zwischen die Wirbelbögen und dann wiederum in …

Welchen Einfluss hat ein künstliches Hüftgelenk auf mein Gehverhalten? (Dr.Thorsten Gehrke)

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Dr.Thorsten Gehrke:

Welchen Einfluss hat ein künstliches Hüftgelenk auf mein Gehverhalten?

Das ist eine relativ schwierige Frage. Hat das künstliche Hüftgelenk Einfluss auf das Gehverhalten. Das hängt von ganz unterschiedlichen Faktoren ab. Grundsätzlich muss man sagen, ein künstliches Hüftgelenk ist etwas künstliches und etwas unnatürliches, d.h. man verändert etwas und man verändert ganz sicher auch das Muskelspiel zueinander der hüftumgebenen Muskulatur. Wie ausgeprägt diese Veränderung ist, das liegt wahrscheinlich an der Kunst des Operateurs. Der versierte Operateur, der ein künstliches Gelenk einsetzt, ohne viele wichtige Strukturen, die das Hüftgelenk
umgeben,bewegen ,schützen zu zerstören, der wird in aller Regel mit seinem künstlichen Hüftgelenk wieder ein annähernd normales Gehverhalten erzeugen.
Insgesamt hängt auch dieses Gehverhalten ganz sicher vom Zugang zu diesem Hüftgelenk ab. Wie gehen wir in das Gelenk hinein? Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, wenn das das Hüftgelenk ist, dann kann man einmal von Hinten an das Gelenk heran gehen, man kann von Vorne an das Gelenk heran gehen, man kann dann ganz weit Vorne an das Gelenk heran gehen. All diese unterschiedlichen Zugänge haben Vor- und Nachteile. Es gibt aber auch Zugänge, die eher für das Gehverhalten z.B. eher mehr Nachteile haben, dazu zählt z.B. ein Zugang, den man früher häufiger , heute nicht mehr so, verwendet hat, der durch einen ganz wichtigen Muskel geht. Da muss man einen Muskel, den ich als Motor der Hüfte bezeichnen würde, zumindest nicht durchtrennen, aber spalten, um an das Gelenk heranzukommen. Und da kommt es dann sehr häufig zu einem veränderten Gehverhalten. Aber die Kunst des guten Operateurs ist eben wieder ein annähernd natürliches und normales Gehverhalten durch seine Operationstechnik zu erzielen. Nicht nur die Operationstechnik, dazu zählen auch andere Dinge, z.B. schaffe ich es das Bein in der Länge wieder auszugleichen, schaffe ich es bestimmte biomechanische, ganz wichtige Voraussetzungen in diesem krankhaft veränderten Gelenk wieder herzustellen. All das ist eben etwas, was den erfahrenen guten Operateur auszeichnet und der damit dann eben ein nicht normales aber annähernd normales Gehverhalten herstellen kann.
Übrigens ist es auch so, dass der Patient selbst dazu beitragen kann wieder ein annähernd natürliches Gehverhalten nach so einer Operation aufzuweisen, indem er z.B. schon vor der Operation gut trainiert, so gut wie möglich in eine Operation hineingeht, so dass sich möglichst nur über einen kurzen Zeitraum ein unnatürliches Gehverhalten einschleifen kann. Also bis zum Schluss seine Muskulatur immer in Schuss halten, zu versuchen normal zu gehen, das führt dazu, dass man auch nach der Operation wieder besser geht als andere. Und selbstverständlich ist der Patient, der dann nach der Operation auch aktiv an sich arbeitet, seine Muskeln trainiert, der wieder bestimmte Sportarten aufnimmt, wie Fahrrad fahren, wie Schwimmen, wie Nordic Walking, eher in der Lage natürlich zu gehen als andere, die das eben nicht tun.

Arthrose – Ist sie vererblich? (Dr. Thorsten Gehrke)

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Dr. Thorsten Gehrke

Eine sehr gute Frage: Ist Arthrose vererblich? Eine Frage, die bis heute keiner bis ins Detail wirklich beantworten kann. Wir wissen, dass die Erbanlagen bei der Entstehung der Arthrose offensichtlich eine riesige Rolle spielen. In welchem Ausmaß sie allerdings verantwortlich sind, wissen wir letztendlich nicht. Sind es 50 % oder 70 oder 80%.
Aber eins ist sicher, Erbanlagen spielen eine Rolle. Jeder kann sich mal vor Augen halten, ob seine Großmutter, seine Mutter vielleicht mal ein künstliches Gelenk bekommen hat, dann ist die Gefahr, dass man selbst irgendwann in seinem Leben mal so etwas braucht relativ groß. Viele Patienten berichten z.B. von einer Schulter,-Hüft,-oder
Kniegelenksarthrose, dass auch die Eltern schon Probleme hatten. Und insbesondere Patienten, die berichten, dass die Mutter Auftreibungen an den Gelenken der Finger hatten. Das nennen wir dann Poliarthrose. Das sind Patienten, die zu einer sehr starken Arthrose neigen, bei der offensichtlich diese Erbanlage „ Arthroseentstehung“ sehr ausgeprägt ist. Ein Großteil der Arthrosen, die eben von sich aus entstehen scheinen tatsächlich vererbt zu werden, d.h. es muss ein Signal geben, dass die Qualität des Knorpels einfach reduziert. Die Qualität des Knorpels ist nicht so hochwertig bei diesen Menschen und kann das Gelenk nicht so gut schützen.
Das ist offensichtlich so. Es spielen aber sicher andere Dinge noch eine Rolle, wie Ernährung, das Gewicht, Übergewicht, übermäßige Belastung, auch Hochleistungssport, aber diese Faktoren spielen, soweit ist man heute eigentlich offensichtlich, im Vergleich zu den Erbanlagen, eine untergeordnete Rolle.
Wie ein Übermaß an Belastung, also eine Überbelastung zu einer Schädigung führen kann, kann allerdings auch eine Unterbelastung zu einer Schädigung des Gelenkes, bzw. des Gelenkknorpels führen. Noch einmal der Gelenkknorpel ist die Schutzschicht unserer Gelenke, ohne den Gelenkknorpel läuft Gutdeutsch gar nichts. Nur der Gelenkknorpel ermöglicht uns ein schmerzfreies Bewegen der Knochen gegeneinander.
Nun ist der Knorpel von seiner Struktur her extrem interessant. Zum einen gibt es keine Nerven im Knorpel, daher kann man sagen, brauchen wir da auch nicht, aber interessanterweise hat der Knorpel auch keine Blutgefäße. Der ist nicht durchblutet. Nun fragen wir uns, alle anderen Gewebe im Körper sind durchblutet, weil die müssen ja irgendwie ernährt werden über das Blut müssen die Nährstoffe ja heran transportiert werden. Knorpel hat die nicht. Wie wird also der Knorpel ernährt? Der Knorpel wird aus der Gelenkflüssigkeit ernährt. Die Gelenkflüssigkeit dringt in den Knorpel ein, lässt sozusagen die Nährstoffe dort und verlässt den Knorpel wieder indem es die Abfallstoffe des Knorpels mitnimmt. Man muss sich diesen Prozess vorstellen wie einen Schwamm. Wenn wir ein Gelenk belasten, wird er Knorpel wie eine Schwamm ausgequetscht, der ist eben elastisch, der wird ausgedrückt und die Gelenkflüssigkeit wird herausgepresst, einschließlich der darin enthaltenen Abfallstoffe des Knorpels. In dem Moment wo wir das Gelenk dann wieder entlasten, dann kommt es wie bei einem Schwamm, den man eben loslässt, der sich wieder mit Wasser füllen kann, füllt sich auch der Knorpel auf mit Wasser und zieht sozusagen die Gelenkflüssigkeit in sich hinein, einschließlich der darin enthaltenen Nährstoffe.
Was bedeutet das für unsere Bewegung? Wir brauchen ein Mindestmaß an Bewegung, damit der Knorpel permanent be- und entlastet wird, um permanent seine Nähr- und Abfallstoffe über die Gelenkflüssigkeit austauschen zu können.
Deswegen sind natürlich so Sportarten, wie Fahrradfahren, wo es nicht zu einer Stauchbelastung, weil es zu einer regelmäßigen druckfreien Be- und Entlastung des Knorpels kommt, ideal.
Auch das Nordic-Walking ist geeignet, weil das eben über die Stöcker die Gelenke schöner entlastet, die den Druck nimmt von dem Gelenk, die Stauchbelastung nimmt, aber die Gelenke schön gegeneinander bewegt. Im Grunde kann man sagen, dass alle Bewegung, alle Sportarten, die die Gelenke gleichmäßig gegeneinander bewegen, zu einem gleichmäßigen wunderbaren Austausch zwischen Ernährung und Entschlackung führen und damit eine gesunden Knorpel erhalten. Bewegen wir uns wenig oder gar nicht mehr kommt dieser Austausch nicht zustande. Der Knorpel wird nicht wirklich entlastet von den Abfallstoffen und er wird auch nicht wirklich immer wieder und regelmäßig versorgt mit den Nährstoffen.
Wenn wir von Vererbbarkeit bei Arthrose sprechen, meinen wir in aller Regel die sog. primäre Arthrose also eine Arthrose ohne erkennbare äußere Ursachen. Es gibt die sog. sekundäre Arthrose, das sind Arthrosen, die in Gelenken entstehen, die vorgeschädigt sind. Diese Vorschädigung kann völlig unterschiedlich sein……

Ist eine Hüftgelenks OP auch bei Osteoporose möglich? (Dr. Thorsten Gehrke)

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Dr. Thorsten Gehrke:

Ist eine Hüftgelenks-OP auch bei Osteoporose möglich?

Grundsätzlich muss man sagen, dass die Implantation einer Hüftgelenksprothese beinahe zu allen Ausprägungsgraden der Osteoporose möglich und auch sinnvoll ist. Selbst bei schwerwiegenden Osteoporosen, wo aufgrund eines Weichwerdens, das ist ja im Grunde die Folge dieser Ostoeporose, der Knochen bricht. Eine der häufigsten Frakturen des alten Menschen ist die sog. Schenkelhalsfraktur, der Bruch des Halses zwischen dem Oberschenkelkopf und dem Oberschenkelknochen, weil der Knochen weich geworden ist, kann er den Belastungen nicht mehr standhalten. In diesem Falle setzen wir ein künstliches Hüftgelenk ein. Die Frage, die sich immer wieder stellt, welche Art von künstlichen Hüftgelenk setzen wir ein bei fortgeschrittener Osteoporose. Man muss übrigens unterscheiden zwischen der normalen Osteoporose, also der Dichtigkeitsreduktion des Knochens im Alter, das bezeichnen wir auch nicht als Osteoporose sondern als Osteopenie, was übersetzt heißt „ der Knochen wird weniger“. Osteoporose ist eher ein krankhafter Zustand. Neben dem natürlichen altersentsprechendem Verlauf gibt es eben auch den krankhaften Verlauf aufgrund von Vitaminmangel zum Beispiel.
Diese Form der Versorgung ist dabei ganz entscheident. Wir sind der Meinung, dass wenn wir einen sehr weichen, sehr brüchigen Knochen haben, aufgrund der Osteoporose, dass man dann die Prothese einzementieren sollte. Es gibt grundsätzlich zwei Verankerungsprinzipien bei den Hüftprothesen. Der Stil der Prothese kann in den Knochen eingeklebt werden, mit einem sog. Knochenzement. Dieser Knochenzement, der verbindet sich mit dem Knochen und hält die Prothese fest. Die Alternative dazu wäre die sog.
„ zementfreie Verankerung“. D.h. wir schlagen einen Titanschaft in den Knochen hinein, man hat diesen Knochen vorher entsprechend vorbereitet, indem man ihn aufgeraspelt hat mit der gleichen Form, die die Prothese vorher hatte. Wir schlagen die Prothese in den Knochen ein, die Prothese verkeilt sich im Knochen und wird dann vom Knochen zunächst einmal festgehalten, wie ein Holzkeil, den man in ein anderes Holzstück einschlägt.
Dann aber kommt es dazu, dass der Knochen an die Prothese heranwächst und sozusagen in die Oberfläche der Prothese hineinwächst. In der Regel haben diese zementfreien Prothesen eine etwas rauere Oberfläche und in diese Rauigkeiten kann dann der Knochen wachsen und die Prothese festhalten. Einem osteoporotischen, also einem krankhaft veränderten Knochen traut man das nicht mehr zu, der schafft das nicht mehr. Deswegen setzen wir da die zementierten Modelle ein und bei jüngeren Patienten, mit einem gesunden Knochen, die Unzementierten.
Das ist eigentlich das Vorgehen bei Osteoporose. Noch einmal: Osteoporose ist kein Hinderungsgrund für den Einbau eines künstlichen Gelenkes.

Osteoporose – Kann man ihr entgegenwirken? (Dr. Thorsten Gehrke)

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Dr. Thorsten Gehrke

Die Osteoporose bezeichnet einen eher krankhaften Zustand, wo es aufgrund von Hormonverschiebung oder anderen Veränderungen im Körper, wo auch innere Organe eine Rolle spielen, die Nieren z.B. zu einem wirklichen Schwund, einem relevanten Schwund von Knochensubstanz kommt und damit der Knochen nicht mehr widerstandsfähig und brüchig wird. Der Verschlimmerung dieses Prozesses kann man entgegenwirken, man kann ihn nicht umdrehen jedoch verlangsamen und in Extremfällen sogar aufhalten, indem man sich bewegt. Auch Knochen braucht Bewegung. Knochen braucht aus zwei Gründen Bewegung. Einmal wird er besser durchblutet, wenn wir uns bewegen, wie alle unsere Organe besser durchblutet werden und zum anderen braucht Knochen auch Belastung. Knochen braucht Belastung, um stabil zu bleiben, um fest zu bleiben. Früher war man früh funktioneller in der Behandlung, aber früher hat man nach auch bei bestimmten Operationen den Patienten ruhig gestellt, im Gipsbett oder einen Beingips für Monate angelegt. Wenn Sie dieses Bein aus dem Gips geholt haben nach 4-6 Monaten, dann war das komplett osteoporotisch, weil es immobilisiert war, wie wir hier sagen, weil es völlig unbeweglich war und weder durchblutet wurde, zumindest der Knochen und der Knochen auch nicht belastet wurde. Und das Gleiche haben wir auch in unserem normalen Leben.
Wenn wir uns vernünftig belasten, wenn wir uns bewegen, wenn wir vernünftig Sport treiben, dann erhalten wir unseren Knochen fest und stabil. Wenn wir das nicht tun, beschleunigen wir möglicherweise den Prozess der Osteoporose, was wir aber sicher tun, wir beschleunigen den Prozess, den altersgemäßen Abbau des Knochens.
Also auch im Alter lohnt es sich aktiv und beweglich zu bleiben, um die Festigkeit des Knochens zu erhalten.